• Wechselstimmung: Einfacher für Firmen und für Mitarbeiter: Touch a Running System

Wechselstimmung: Einfacher für Firmen und für Mitarbeiter: Touch a Running System

16.04.2018

Mit welchen und wie großen Schritten man in die neue digitale Welt gehen will, ist unterschiedlich. Entscheidend ist, dass man für die Zukunft vorsorgt und dass die Digitalisierung der Firma und ihren Mitarbeitern gleichermaßen dient, so die Position von Frank Siewert, Vorstand bei Comarch. Er berichtet, wie Industrie 4.0 funktionieren kann, von komplexen Omnichannel-Prozessen und wann der richtige Zeitpunkt für den Umstieg von alt auf neu ist.

 

Mittelstand Kompakt: Die Digitalisierung gilt als die Herausforderung für deutsche Firmen. Wie sehen Sie den Mittelstand?

Frank Siewert: Generell sind unsere Unternehmen auf einem guten Weg. Zwar hört man oft von einem großen Nachholbedarf, den man hierzulande habe, aber ich sehe auch die andere Seite. Es ist wichtig, die Menschen abzuholen und gemeinsam den Weg der Digitalisierung zu gehen. Deshalb ist es besser, lieber langsam und gemeinsam Schritte in diese Richtung zu gehen, als schnell und einsam.

 

Mittelstand Kompakt: Sie zeigen also nicht auf die Fünf vor Zwölf, wie andere Experten?

Frank Siewert: Im Moment sehe ich viele Kunden, die gerade Neues in diesem Bereich wagen. Das sind einmal Unternehmen, die auf uns zukommen und die sich neu für unsere Lösungen entscheiden. Aber ich sehe auch viele langjährige Kunden, die jahrzehntelang mit einer Lösung von Comarch arbeiten und dann einen Schritt weiter mit Comarch gehen, sei es bei einem Umstieg auf eine modernere Software, einem Releasewechsel oder der Erweiterung von Warenwirtschaft in Richtung Industrie 4.0 oder Omnichannel Sales.

„Es ist wichtig, die Menschen abzuholen und gemeinsam den Weg der Digitalisierung zu gehen."



Mittelstand Kompakt: Wie sieht ein Fall eines Umstiegs auf eine, wie Sie sagen, modernere Lösung aus?

Frank Siewert: Ganz aktuelles Beispiel ist unser Kunden VolkswagenStiftung. Die über 30-jährige Partnerschaft von Comarch und VolkswagenStiftung geht gerade im Moment in eine neue Stufe über. Nun stellt die Organisation von der seit Beginn der 1990er Jahre eingesetzten Comarch-Suite-Finanzbuchhaltung auf die neuere Lösung für Rechnungswesen um. Seit drei Jahrzehnten wird die komplette Finanzbuchhaltung der Stiftung mit 3,1 Milliarden Euro Stiftungskapital mit Comarchs Suite abgewickelt. Mit unserer Betreuung vor Ort als auch der Software war die VolkswagenStiftung immer sehr zufrieden. Und die neu eingesetzte Comarch-Lösung ist als browserbasierte Lösung einfach offener, flexibler und intuitiver und somit besser für die Zukunft gewappnet.

 

Mittelstand Kompakt: Never touch a running System, sagt der IT-Volksmund. Was kann bei solchen Wechselprojekten passieren?

Frank Siewert: Unsere Berater wissen genau, was in solchen Fälle zu beachten ist. Bei der Einführung einer neuen Finanz-Lösung geht es immer um drei zentrale Fragen: Wann soll sie zur Verfügung stehen? Was und wieviel soll übernommen werden aus Finanzbuchhaltung, Anlagenbuchhaltung und Controlling? Wie sollen die einzelnen Daten übernommen werden? Hier ist die Kontinuität ein echter Vorteil, man kennt sich und versteht die jeweilige Situation, Ausgangslage, Ziele bereits von vornherein. Und jeder Systemwechsel ist auch die Chance auf weitere Optimierungen, sei es in internen Prozessen oder angesichts gesetzlicher Neuerungen wie der digitalen Rechnung.

 

Mittelstand Kompakt: Industrie 4.0 ist ein weiteres Thema, das in aller Munde ist. Wie groß ist hier die Nachfrage bzw. Durchsetzung?

Frank Siewert: Viele Fertigungsbetriebe arbeiten schon lange mit unser Warenwirtschaft und manche davon gehen wie Abnox einen Schritt weiter zu Industrie 4.0. Zentral bei diesem Thema ist einerseits die technische Komponente, die sehr gut und sehr schnell abgebildet wird. Aber ein wichtiger Aspekt, den viele vergessen, ist die Mitarbeiterakzeptanz. Wir wissen, dass Menschen sich nicht eingeschränkt fühlen sollen durch solche Lösungen. Im Gegenteil, sie sind als Unterstützung für die Mitarbeiter gedacht und so sollten sie auch implementiert werden. Industrie 4.0 hilft, Prozesse zu vereinfach, zu automatisieren, frühere Fehlerquellen zu beseitigen und dabei dem Menschen bei der Verrichtung seiner Arbeit einen flexiblen Entscheidungsspielraum zu lassen. Doch Industrie 4.0 ist wirklich eine der höchsten Stufen der Digitalisierung in der Fertigung. Viele mittelständische Fertigungsbetriebe verkaufen ihre Produkte international, einige davon produzieren in Deutschland oder der Schweiz. Angesichts des globalen Wettbewerbs benötigen diese Firmen Lösungen zur Prozessoptimierung und Effizienzsteigerung und entscheiden sich für Comarchs Warenwirtschaft.

 

Mittelstand Kompakt: Wie ist das im Handel. Gibt es dort eine vergleichbare Entwicklung?

Frank Siewert: Im Handel beobachten wir, dass Handelsketten immer stärker expandieren, neue Märkte in (Ost-)Europa erschließen und ihr Filialnetz ausdehnen. Dazu ist eine offene und agile Warenwirtschaft essentiell. Wo wir Nachholbedarf sehen, sind einerseits flexible, offene Systeme, statt schwerfälliger und veralteter Lösungen aus dem letzten Jahrtausend und eine durchgängige Strategie für das Online-Zeitalter. Viele Händler gehen einen Schritt weiter Richtung Handel über alle Kanäle. So sind sie gewappnet, die neuen Kundenerwartungen zu erfüllen, die auch unsere aktuelle Studie mit Kantar TNS gezeigt hat.

 „Eine moderne IT-Architektur besteht aus offenen und vernetzen Systeme, die gut miteinander kommunizieren können."

Mittelstand Kompakt: Wir haben viel über die Erwartungen von Handel oder Fertigung gesprochen, wie lassen sich diese umsetzen?

Frank Siewert: Eine moderne IT-Architektur besteht aus offenen und vernetzen Systeme, die gut miteinander kommunizieren können. So entstehen dann Netzwerke aus intelligenten Produktionsmaschinen oder Vertriebskanälen. Diese Offenheit schafft Flexibilität, die angesichts des bestehenden Wandels grundsätzlich wichtig ist und wirklich kriegsentscheidend wird, wenn man in neue Länder geht. Ein zentrales ERP-System muss produktoffen, menschenoffen sowie agil und schnell sein. So werden schnelle Anpassungen an neue nationale Märkte, Gesetzgebungen, neue Webshops oder Produktionsmaschinen sichergestellt. Dabei soll die Software den Menschen nicht ersetzen, sondern seine Arbeit erleichtert und in Teilen autark agieren, sowohl bei Industrie 4.0, als auch bei Omnichannel und digitaler Kasse. Projektmethodiken in Firmen müssen genauso agil sein wie die Software, etwa die Projektarbeit nach Business Scrum.

 

Mittelstand Kompakt: Was empfehlen Sie also Firmen, die gerade überlegen, wie sie in die digitale Welt aufbrechen?

Frank Siewert: Ich rate zu einem langsamen, wohlüberlegten Vorgehen in Schritten. Niemand nimmt fünf Stufen auf einmal auf der Treppe, man geht Schritt für Schritt.

 Frank Siewert Experte