Wie Telemedizin in der Kardiologie die Volkskrankheit Nummer 1 bekämpft

München, 09. März 2017 – Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind mit 40% aller Sterbefälle laut Robert Koch-Institut die führende Todesursache in Deutschland. In Zeiten des Ärztemangels in weitreichenden Regionen werden Alternativen erprobt. Mit lückenloser Kontrolle rund um die Uhr hat besonders die Telekardiologie Potential für die Zukunft.

 

1. Was ist Telekardiologie?

Telekardiologie ist eine Dienstleistung, die eine lückenlose Überwachung eines Patienten in einem beliebigen Zeitraum ermöglicht. Neben der automatischen Erkennung von Herzarrhythmien können auf Wunsch auch andere spezifische Untersuchungen durchgeführt werden. Darüber hinaus haben die Patienten die Möglichkeit, jederzeit per Knopfdruck Hilfe zu rufen bzw. Kontakt mit dem telemedizinischen Zentrum aufzunehmen. Dies erfolgt unter Verwendung von Comarch PMA (engl.: Personal Medical Assistant – dt.: „Persönlicher Medizinischer Assistent“). Comarch PMA ist ein zertifiziertes EKG-Messgerät mit telemedizinischen Funktionen und integrierten Algorithmen zur Erkennung von grundlegenden Herzerkrankungen.

 

2. Welche telekardiologischen Untersuchungen können durchgeführt werden?

Telekardiologie ermöglicht die Durchführung folgender Untersuchungen: kardiologische Teleüberwachung, d. h. Überwachung der Herztätigkeit mit der Erkennung von Herzfrequenzstörungen in beliebigen Zeitabständen; telemedizinische EKG-Aufzeichnung bei Bedarf – orts- und zeitunabhängige Durchführung eines Ruhe-EKG (12 Ableitungen); Event-Recorder zur Aufzeichnung von kurzen EKG-Episoden bspw. bei Auftreten bestimmter Symptome oder Langzeit-EKG mit integriertem Monitoring, das eine kontinuierliche Erfassung des Herzrhythmus unter Verwendung von 7 oder 12 Ableitungen sowie kardiologische Überwachung ermöglicht.

 

3. Was sind Ableitungen und wozu werden diese verwendet?

Mit Hilfe von Ableitungen wird die elektronische Aktivität des Herzens abgebildet. Man könnte diese mit virtuellen Kameras vergleichen, die das Herz aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten. Das EKG-Diagramm gibt Auskunft über den Verlauf des elektrischen Signals innerhalb des Erregungsleitungssystems.

 

4. Wie sehen telekardiologische Untersuchungen aus?

Die Untersuchungen werden unter Verwendung eines tragbaren Geräts zur Aufzeichnung von EKG-Signalen durchgeführt. Vor Beginn einer telekardiologischen Untersuchung wird der Patient ausführlich zu kardiologischen Erkrankungen befragt und es wird ein Referenz-EKG erstellt. Während des Überwachungszeitraums ist das EKG-Gerät mittels integrierter Erkennungsalgorithmen in der Lage, Herzfrequenzstörungen eines Patienten automatisch zu identifizieren. Die aufgezeichneten EKG-Episoden werden an das telemedizinische Zentrum e-Care weitergeleitet und dort durch Spezialisten detailliert analysiert.

 

5. Für wen sind telekardiologische Untersuchungen gedacht?

Für jeden, der sie benötigt. Telekardiologische Untersuchungen eignen sich vorrangig für Personen mit Herzproblemen, die unter Herzrhythmusstörungen oder Bluthochdruck leiden, über Atembeschwerden und Schwindel klagen oder Fälle von Herzschwäche in der Familie haben. Telekardiologie kann auch unterstützend bei der kardiologischen Nachsorge nach einem Herzinfarkt bzw. als Diagnostik nach der Implantation eines ICD oder nach durchgeführter Ablation zum Einsatz kommen. Des Weiteren ist telekardiologische Betreuung auch für Leistungssportler empfehlenswert.

 

6. Was passiert, wenn das medizinische Fachpersonal während der Analyse der EKG-Aufzeichnung Auffälligkeiten feststellt?

Falls in der Herztätigkeit gefährliche Auffälligkeiten festgestellt wurden, nehmen die Mitarbeiter des telemedizinischen Zentrums Kontakt zum Patienten auf und befragen ihn zu medizinischen Schwerpunkten, um die bestmögliche weitere Vorgehensweise zu definieren. Sollte die Gesundheit bzw. sogar das Leben des Patienten in Gefahr sein, alarmieren die Mitarbeiter des Zentrums die Rettungsleitstelle und melden die wichtigsten patientenbezogenen Gesundheitsdaten. Nach Abschluss der Untersuchung werden alle auf dem Gerät aufgezeichneten Daten importiert und mit Hilfe einer speziellen Software durch einen kardiologischen Facharzt ausgewertet. Der betroffene Patient erhält anschließend Einsicht in die Auswertungsergebnisse erhält.

 

7. Müssen vor einem EKG spezielle Vorbereitungen getroffen werden?

Die Untersuchung bedarf keiner besonderen Vorbereitungen. Es wird empfohlen, am Vortag der Untersuchung auf Cremes und Körperlotions zu verzichten. Vor dem Anbringen des EKG-Geräts und der dazugehörigen Elektroden muss die Hautoberfläche durch Rasur und Entschuppen der Elektrodenpositionen entsprechend vorbereitet werden. Diese Maßnahmen dienen der Verbesserung der Signalqualität. Das EKG schränkt den Patienten in seinen alltäglichen Aktivitäten nur geringfügig ein. Die Aufgabe des EKG-Geräts ist die Aufzeichnung eines für den Patienten typischen Tagesablaufs.

 

8. Erhalten die zu untersuchenden Personen vorher spezielle Anweisungen?

Ja. Jede Person, die telekardiologische Dienstleistung in Anspruch nehmen möchte, wird durch das medizinische Personal entsprechend eingewiesen. Die Einweisung umfasst sowohl einfache Bedienvorgänge wie das Ein- und Ausschalten des Geräts als auch Hinweise zur Bedienung des integrierten Aktivitätstagebuchs, in dem der Patient seinen Tagesverlauf festhält.
Im Tagebuch lassen sich die Zeiten des Zubettgehens und des Aufstehens, physischer Aktivitäten, von Medikamenteneinnahmen und des Wahrnehmens von Herzrhythmusstörungen aufschreiben. Mit dieser Funktion informiert der Patient das entsprechende medizinische Personal bzw. die für die Befundung zuständigen Ärzte über die während des Tages unternommenen Aktivitäten. Dies vereinfacht den Überwachungsprozess der Patienten erheblich. Zudem werden die störungsbezogenen Alarmmeldungen automatisch an bestimme Alltagsaktivitäten angepasst. Das Gerät bietet optional auch Anweisungen zum Anbringen der Elektroden – diese Option ist sofort nach dem Einschalten des Erfassungsgeräts verfügbar. Sollte sich eine Elektrode versehentlich lösen, wird der Patient umgehend darüber benachrichtigt.

 

9. Wie lange dauert die EKG-Aufzeichnung?

Die Dauer des EKG hängt von der Art der gewählten Untersuchung ab. Im Falle telekardiologischer Überwachung entscheidet der Patient bzw. der leitende Arzt über die Dauer und die Uhrzeit des EKG. Je nach Präferenzen kann das EKG über 24 Stunden hinweg oder nur bei bestimmten Aktivitäten am Tag sowie in ausgewählten Zeiträumen erfasst werden. Ein Langzeit-EKG kann zwischen 24 Stunden und eine Woche dauern. Neben der Aufzeichnung des EKG-Signals überträgt das Gerät Informationen zu allen während der Untersuchung erkannten Herzrhythmusstörungen an das telemedizinische Zentrum. Die telemedizinische EKG-Aufzeichnung bei Bedarf ist orts- und zeitunabhängig durchführbar. In einem solchen Fall wird das EKG entweder entsprechend den ärztlichen Anweisungen wie z. B. zu einer bestimmten Uhrzeit oder direkt beim Auftreten kardiologischer Beschwerden erfasst. Die Untersuchungsergebnisse werden umgehend an das telemedizinische Zentrum übertragen. Die EKG-Aufzeichnung wird durch den Arzt ausgewertet, der Befund wird per Textnachricht an das EKG-Gerät bzw. das Telefon des Patienten übermittelt.

 

10. Unter welchen Bedingungen sollte das EKG erfasst werden?

Je nachdem, für welche EKG-Variante sich der Patient entschieden hat, wird das EKG während einer körperlichen Aktivität, in Ruhehaltung, während der Rehabilitation oder bei Routinetätigkeiten durchgeführt. Während der EKG-Aufzeichnung darf kein Halsschmuck getragen werden. Auf Rucksäcke und Taschen, die einen Druck auf Elektroden ausüben könnten, soll ebenfalls verzichtet werden. Die angelegten Elektroden dürfen nicht nass werden, daher sind während des EKG bspw. Baden und Duschen nicht möglich.

 

11. Was tun, wenn das Gerät während der EKG-Aufzeichnung ausfällt?

Sofern das Erfassungsgerät an eine geladene Batterie angeschlossen ist, ist es eigentlich nicht möglich, dass dieses sich während der EKG-Aufzeichnung selbstständig ausschaltet. Der Patient verfügt über keine Möglichkeit, die EKG-Aufzeichnung selbst abzubrechen. Das Gerät arbeitet solange, bis die EKG-Aufzeichnung durch das qualifizierte Personal des telemedizinischen Zentrums beendet wird. Bei Fragen und technischen Problemen hat der Patient jederzeit die Möglichkeit, das telemedizinische Zentrum zwecks Problemklärung zu kontaktieren.

 

12. Was passiert, wenn bei der EKG-Aufzeichnung Fehler auftreten, weil z. B. eine der Elektroden an einer falschen Stelle angelegt wurde?

Das erste Anlegen des Erfassungsgeräts erfolgt in Anwesenheit einer Krankenschwester, die dem Patienten Anweisungen für das korrekte Anschließen des Geräts gibt. Zudem erhält der Patienten entsprechendes Informationsmaterial. Aber auch das Gerät gibt dem Patienten Anweisungen und überprüft, ob alle Elektroden korrekt angeschlossen wurden, so dass die Wahrscheinlichkeit einer falschen Platzierung auf ein Minimum reduziert wird. Beim Auftreten auffälliger Artefakte kann das telemedizinische Personal den Patienten kontaktieren und ihm Anweisungen für das korrekte Anbringen von Elektroden erteilen.

 

13. Werde ich über Auffälligkeiten, die bspw. während des EKG auftreten, informiert?

Ja. Alle im Rahmen des EKGs ermittelten Ergebnisse werden zuerst an das telemedizinische Zentrum e-Care übermittelt und dort durch Ärzte und entsprechend qualifizierte Mitarbeiter analysiert. Jeder gemessene Wert unterliegt einer sehr genauen Auswertung. Werden dabei Auffälligkeiten festgestellt, die auf eine gesundheits- oder lebensbedrohliche Situation für den Patienten hinweisen, leitet das medizinische Personal entsprechende Maßnahmen ein.

 

14. Bekomme ich Hilfe, wenn ich während der Verwendung von Comarch PMA in Ohnmacht falle?

Ja, wenn die Ursache dafür in den Herzrhythmusstörungen liegt bzw. wenn davor der Notfallknopf betätigt und somit der Kontakt zum telemedizinischen Zentrum hergestellt wurde. Für die Alarmierung des Rettungsdienstes gemäß der definierten Vorgehensweise müssen Auffälligkeiten in der EKG-Aufzeichnung sichtbar geworden sein bzw. telefonischer Kontakt zum Patienten bestanden haben. Comarch PMA verfügt über einen integrierten GPS-Sender, mit dem die Patientenortung möglich ist. Bei Bedarf wird an diesen Standort ein Rettungswagen geschickt.

 

15. Welche Auffälligkeiten können mit Hilfe Comarch PMA aufgedeckt werden?

Zu den am häufigsten durch Comarch PMA entdeckten kardiologischen Auffälligkeiten gehören Herzrhythmusstörungen – das Herz schlägt entweder zu langsam oder zu schnell – und Vorhofflimmern. Das Gerät wird für jeden Patienten individuell entsprechend seinem Gesundheitszustand konfiguriert, wobei in den Konfigurationsprozess auch die während der kardiologischen Anamnese gesammelten Informationen sowie das zuvor erstellte Referenz-EKG einbezogen werden.

 

16. Womit haben die Patienten, die telekardiologische Leistungen in Anspruch nehmen, die größten Schwierigkeiten?

Die meisten Schwierigkeiten treten zu Beginn auf, denn der Patient muss sich an das ständige Tragen des Geräts erst einmal gewöhnen. In der Regel haben sich die Patienten nach mehreren Stunden mit dem Gerät arrangiert und haben nicht mehr das Gefühl, bei ihren täglichen Aktivitäten beeinträchtigt zu sein.

 

17. Wovon profitieren die telekardiologisch betreuten Patienten?

Sowohl die Patienten, die durch die medizinischen Mitarbeiter des Zentrums telekardiologisch betreut werden, als auch ihre Angehörigen erhalten zusätzliche Sicherheit. Dank der engmaschigen Überwachung der Herztätigkeit und des praktisch uneingeschränkten Untersuchungszeitraums stehen die Chancen für die Erkennung kardiologischer Auffälligkeiten erheblich besser als bei einem 24- bzw. 48-Stunden-EKG.
Zudem zeichnet sich diese Untersuchungsform durch einen hohen Bedienkomfort aus. Das für die Aufzeichnung des EKG-Signals bestimmte Gerät ist klein und ergonomisch. Es fertigt diskret Analysen an und stört nicht bei der Durchführung alltäglicher Tätigkeiten. Die Untersuchungsergebnisse werden dem medizinischen Personal als umfangreiche Berichte zur Verfügung gestellt, die zugleich als Tool der kardiologischen Diagnostik fungieren. Die Art der Untersuchung wird individuell an Gesundheitszustand und Lebensweise eines Patienten angepasst.

 

18. Wodurch unterscheidet sich die telekardiologische Patientenversorgung mit dem integrierten telemedizinischen Zentrum e-Care von sonstigen telekardiologischen Lösungen?

Die telekardiologische Patientenversorgung ist eine universelle Lösung. Patienten haben die Möglichkeit, zwischen unterschiedlichen Modi zu wählen und die Überwachungsparameter anhand ihrer individuellen Bedürfnisse festzulegen.

 

Über Comarch Healthcare

Comarch Healthcare verbindet Medizintechnologie mit innovativen IT-Lösungen. Mit einem großangelegten Studienprogramm zu IT und Medizin sowie eigenem Krankenhaus vereint Comarch die Kompetenzen von medizinischen Einrichtungen und Telekommunikationsunternehmen mit telemedizinischem Mehrwert. Alle Anwendungen und Systeme werden mit Hilfe erfahrener Klinikärzte entwickelt und geprüft. Mehr als 80 Krankenhäuser und 25.000 Anwender setzen die Anwendungen bei jährlich rund 2,5 Mio. Patienten im Modus 24/7/365 ein.

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Über Comarch

Comarch ist ein weltweit aktiver Spezialist für IT-Lösungen mit über 5.300 Mitarbeitern in 27 Ländern. Das Portfolio umfasst z.B. Business-Software für große und mittelständische Unternehmen (ERP, Finanzen, CRM, BI, EDI, DMS/ECM) und IT-Infrastruktur, Hosting- und Outsourcing-Services. Auch in Bereichen wie Healthcare, Telekommunikation, Banking & Versicherungen stellt Comarch umfassende Lösungen bereit. In Deutschland, Österreich und der Schweiz verfügt Comarch über 12 Standorte.

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