Wenn Sie während der Pandemie Schwierigkeiten haben, sich über Wasser zu halten, ist Factoring eine praktikable Alternative zu Bankkrediten. Das große Spiel beginnt.

Laut den Zahlen des deutschen Factoring-Verbandes von 2019 ist Factoring nach wie vor ein unterrepräsentiertes Finanzierungsinstrument. Im Vergleich zu den insgesamt über 3,2 Millionen Unternehmen in Deutschland, nutzen etwas mehr als 90.000 davon Factoring-Services. Die Gesamtzahl wirkt zunächst gering. Im Vergleich zu den Ergebnissen von 2018 steigt der Kundenstamm allerdings um fast 100% an. Wird die Factoring-Entwicklung auf dem Markt von größeren Unternehmen vorangetrieben oder springen auch die Kleineren auf das Spielbrett auf?

Königin Gambit

Das Königinnen Gambit ist eine berühmte Schacheröffnung. Grundsätzlich versucht Weiß, Druck auf Schwarz auszuüben, um die Mitte des Spielfelds zu kontrollieren. Genau das versuchen Fintechs auf dem Factoring-Markt zu tun. Mit einfachem Zugang und niedrigen Eintrittsbarrieren werden sie schnell zuschlagen und etablierte Spieler in ihrer Mitte angreifen. Jedoch nicht nur Fintechs, sondern auch kleine Finanzunternehmen bieten bereits Factoring-Produkte an.

Rochade

Für KMU wird es immer schwieriger, die Finanzierung ihres Unternehmens durch Kredite sicherzustellen. Aufgrund der anhaltenden Pandemie zögern Kreditinstitute vermehrt, Kredite zu gewähren. Zudem können Sie sich das höhere Risiko von Ausfallzahlungen nicht leisten. Von 2008 bis heute hat sich die Anzahl der Factoring-Benutzer beinahe verfünffacht. Der Hauptgrund dafür ist, dass mittelständische und kleine Unternehmen zunehmend unter restriktiven Kreditanforderungen der Banken leiden.

Wie der König im Schach, können Unternehmen über diese Einschränkungen hinweg hüpfen und ihre Finanzierung durch Factoring austauschen, die ihnen hilft, ihr Geschäft weiterzuentwickeln.

Im Vergleich zu herkömmlichen Finanzierungsmethoden, sind die Anforderungen an das Factoring in Deutschland viel geringer und die Erhöhung der Liquidität nachhaltiger. Dies ermöglicht es Unternehmen, bevor sich diese über ihre Hausbanken finanzieren, auf Factoring umzusteigen. Die Aufsichtsbehörden haben ebenso erkannt, dass aufgrund der veränderten Bedingungen der Pandemie aufgeholt werden muss. Mit der eingeführten EBA/GL/2020/06-Verordnung (Leitlinie zur Kreditvergabe und Überwachung) möchte die Europäische Bankenaufsichtsbehörde sicherstellen, dass der Markt einen kontinuierlichen Zugang zu Krediten hat.

Schwarz und weiß

In jedem Spiel sieht das Brett aus der Sicht eines jeden Spielers anders aus. Mit unzähligen vorhandenen Optionen, ist es manchmal schwierig, die richtige Perspektive zu finden. Gleiches gilt für die Marktteilnehmer im Factoring-Umfeld.

Nehmen wir einmal an, ein Unternehmen erwirtschaftet einen Umsatz von 12 Millionen Euro pro Jahr. Durchschnittliche Zahlungsbedingungen für die Kunden von 45 Tagen sind in der Branche üblich, während Lieferanten nach 30 Tagen bezahlt werden müssen. Um die Liquidität zu verbessern, wurde den größten Kunden, die ein Umsatzvolumen von 40% ausmachen, ein Skonto von 2% gewährt. Ein Lieferanten Skonti im Falle einer vorzeitigen Zahlung, kann noch nicht verwendet werden, da die Liquidität aufgrund der Vorfinanzierung der Forderungen gebunden ist (Abbildung 1).

Wenn das Handelsunternehmen Factoring einsetzt, verbessert sich die Liquidität beim ersten Kauf mit einem Vorschuss von 90% um 1,2 Millionen Euro.

Dies bedeutet, dass Lieferantenrechnungen ebenfalls unter der Nutzung eines Skontos bezahlt werden können. Wenn man davon ausgeht, dass bei jährlichen Warenkosten von 8.500.000 Euro, bei 20% der Lieferanten ein Rabatt von 3% gewährt wird, ergibt sich hier allein eine Einsparung von 51.000 Euro.

Da durch den Einsatz von Factoring keine Skonti mehr auf Kundenseite notwendig sind, spart das Unternehmen weitere 96.000 Euro.

Dank des Liquiditätszuflusses kann auch die Verwendung von Bankkrediten um 500.000 Euro reduziert werden, wodurch sich der Zinsaufwand um 27.500 Euro bei einem Zinssatz von 5,5% pro Jahr verringert.

Die Gesamteinsparungen betragen somit 174.500 Euro.

Bei einer angenommenen Factoring-Gebühr von 0,75% und einem Zinssatz von 3,75% pro Jahr entstehen Kosten von 135.000 Euro. Neben der Verbesserung der Profitabilität um 39.500 Euro in unserem Beispiel sind weitere Vorteile wie die Verbesserung der Eigenkapitalquote in der Bilanz zu berücksichtigen.


Schachmatt

Die Branche verändert sich rasant. Nicht nur mit dem Aufkommen neuer Akteure, sondern auch mit der Unterstützung neuer Technologien. Insbesondere mit Hilfe von Cloud-Lösungen können die bestehenden und neuen Factoring-Anbieter ihren Kunden helfen, einen neuen Zug zu eröffnen, dass diesen Kunden eine echte Alternative zu Bankkrediten bietet. Wie jedes Mal, wenn das Spiel endet, bleiben Erkenntnisse für das folgende. Doch wie so oft, bietet ein sich schließendes Spiel, die Möglichkeit neue Strategien im Nächsten zu erproben und einzuführen – beim Schach als auch bei der Finanzierung.

 

Felix Magdeburg

Business Development Manager bei Comarch

Ihr Ansprechpartner

Klaus Lechner
PR Manager
Riesstraße 16
80992 München

Tel.: +49 (89) 14329-1229
Klaus.lechner@comarch.de