Ressourcen optimal nutzen: weg von der manuellen Liste, hin zur digitalen Produktionsplanung
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In der industriellen Fertigung ist Zeit die kritischste Währung. Jede Minute, in der eine Maschine ungeplant stillsteht oder ein Mitarbeiter auf Material warten muss, bedeutet einen Verlust an Wertschöpfung. Doch während moderne Fertigungsanlagen immer präziser arbeiten, hinkt die Organisation oft hinterher: Manuelle Listen, unübersichtliche Excel-Tabellen und physische Steckkarten bilden noch häufig das Rückgrat vieler Fabriken, stoßen aber an ihre Grenzen, wenn negative Überraschungen eintreten oder etwa Lieferketten volatiler werden.
In unserem zweiten Teil der Webcast-Reihe "Der Weg zur digitalen Produktion – von der Strategie zur Umsetzung" widmen wir uns daher einem entscheidenden Hebel für Ihre Produktivität: der digitalen Produktionsplanung. Wir zeigen Ihnen, wie der Sprung vom reaktiven Feuerlöschen hin zu einer proaktiven Steuerung gelingt.
“Alles perfekt in Excel geplant – der Rest geht auf dem Shop-Floor schief!”
Digitale Produktionsplanung ist weit mehr als das reine Abbilden eines Auftrags. Es geht vielmehr darum, dynamische Faktoren in Echtzeit zu synchronisieren. An schlechten Tagen kollabieren manuell erstellte Pläne schon am Vormittag: Ein Eilauftrag muss zwischengeschoben werden, eine Maschine fällt aus und plötzlich fehlen Fachkräfte für die Spätschicht. Ohne digitale Unterstützung investieren Planer Stunden in neue Pläne, die im Moment ihrer Fertigstellung bereits veraltet sind.
Ein intelligentes System hingegen koordiniert begrenzte Kapazitäten, berücksichtigt Materialverfügbarkeiten und reagiert sofort auf Störungen. Das Ziel ist die Smart Factory, in der sich die Produktion dank vernetzter Datenströme nahezu selbst organisiert und der Mensch die Rolle des strategischen Optimierers übernimmt.
Drei Wege: ein Heimspiel, die wendige App oder das Hochleistungssystem?
Es gibt keine universelle Lösung für jeden Betrieb. Die Wahl der Technologie sollte sich eng an Ihrer Auftragsfrequenz und Komplexität orientieren.
Die ERP-Grobplanung ist für viele Unternehmen ein Heimspiel: Da die Umgebung den Mitarbeitern vertraut ist, ist die Akzeptanz hoch und es entstehen keine zusätzlichen Softwarekosten. Allerdings bleibt die Planung hier meist auf ein Wochenraster begrenzt und bietet keine automatische Optimierung der Auftragsreihenfolge.
Low-Code-Plattformen sind der vielen noch unbekannte, unkonventionelle Weg: Hiermit lassen sich maßgeschneiderte Planungs-Apps innerhalb weniger Wochen entwickeln. Das ist ideal für KMU, die spezifische Prozesse zügig digitalisieren wollen. Der Nachteil: Low-Code ist weniger leistungsfähig bei großen Datenmengen, hoher Prozesskomplexität oder auch der Anbindung bestimmter Systeme.
Für Hochleistungs-Fertigungen ist ein Advanced Planning & Scheduling (APS)-System das Mittel der Wahl. Es fungiert wie ein Navigationssystem, das unter Berücksichtigung aller Restriktionen permanent den optimalen Weg berechnet. Die Vorteile sind messbar: Unternehmen reduzieren den manuellen Planungsaufwand messbar und steigern ihre Termintreue.
Wirtschaftlichkeit und Integration
Die Entscheidung für ein System ist immer auch eine finanzielle Abwägung. Schließlich unterscheiden sich die Lösungen deutlich in ihrer Amortisationsdauer. Als Belohnung winken jedoch unter anderem eine gesteigerte Gesamtanlageneffektivität und reduzierte Terminverzögerungen.
Dabei darf die Planung nie isoliert betrachtet werden. Eine erfolgreiche Smart Factory benötigt eine nahtlose Kommunikation zwischen dem eingesetzten ERP-System und der Planungsebene. Idealerweise fließen Rückmeldungen aus der Produktion sofort in das Planungstool zurück, um eine ständige Synchronisation mit dem gegenwärtigen Zustand zu gewährleisten.
Datenqualität steigern – und den Mensch dabei nicht vergessen
Unabhängig vom Tool entscheiden zwei Faktoren über Erfolg oder Scheitern. Erstens: Datenqualität. Ein Planungssystem kann nur so gut arbeiten wie die zugrunde liegenden Stammdaten. Etwa 15 bis 25 % der Projektzeit sollten daher allein für die Bereinigung von Arbeitsplänen und Stücklisten reserviert sein, um das „Garbage In, Garbage Out“-Szenario zu vermeiden.
Zweitens: Der Mensch. Die beste Software nützt nichts, wenn die Mitarbeiter sie nicht akzeptieren. Ein erfolgreicher Rollout erfordert eine klare Kommunikation und die Einbindung der Planer von der ersten Minute an. Starten Sie mit einem Pilotprojekt in einem überschaubaren Bereich, erzielen Sie „Quick Wins“ und rollen Sie die Lösung erst dann auf das gesamte Unternehmen aus.
Webcast: Wie heben Sie Ihre Produktionsplanung konkret auf das nächste Level?
In unserem Webcast „Digitalisierung der Produktionsplanung“ zeigen wir Ihnen, wie diese Systeme im Zusammenspiel funktionieren und wie Sie Ihre persönliche Roadmap skizzieren. Jens Stier (Geschäftsführer der engomo GmbH) demonstriert, wie AI-gestütztes App-Building und nahtlose Systemintegration missionskritische Prozesse in der Fertigung schneller digitalisieren und bestehende ERP-Strukturen sinnvoll ergänzen. Zudem stellt Marcus Bunz (Head of etagis APS) die Umsetzung der digitalen Produktionsplanung auf Basis des APS-Systems etagis vor.

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